Dienstag, 13. August 2013

Abfahrt von Krasnojarsk nach Taischet

Samstag, 3. August 2013

Nach dem Frühstück und Fotosession mit Olga und Viktor, unserer Gastfamilie, nehmen wir ein Taxi zum Bahnhof.... und sieh da... wir passen nicht in den Wagen (nicht weil wir gut im Futter sind- bewegen uns ja kaum), sondern weil der Fahrer seinen Kofferraum mit Angelequipment beladen hat. Er ist total überrascht... Aber er weiß doch, dass wir zum Bahnhof wollen.... reist man hier nicht mit Gepäck?... Es wird hin und her überlegt und dann
wird alles nach vorne auf die Sitze gepackt bzw. jeder bekommt Gepäck auf den Schoß... wir können kaum drüber hinwegschauen... aber so kann nichts mehr passieren!.... prima Airbag... geht doch:-)

Es geht pünktlich um 12.36h vom Bahnhof los (MESZ, 6.36h). Wir haben einen niedrige Zugnummer was bedeutet, dass es mehr Luxus gibt (denn, Regel für den Transsib..."je niedriger die Zugnummer, am besten 1-10, desto besser die Ausstattung...". Wir hatten auch schon eine Teilstrecke mit der Nummer 92:-((((((( Die Verbesserung macht sich bemerkbar durch längere und besser gepolsterte Betten (endlich! Aber leider übernachten wir heut nicht), längere Abteiltische und einer digitale Anzeigetafel auf dem Gang (Moskauer- und Ortszeit, Wagonnummer,Temperaturanzeige, Toilette frei/besetzt!).

Und wer sagsts denn.... wir haben wieder einen Mann in unserem Abteil, diesmal ist es Igor. Auch er macht, wie alle Anderen vor ihm, beim Anblick von drei Frauen - und keine russkij- erstmal auf dem Absatz kehrt... kommt dann aber kurze Zeit später mit Verstärkung wieder, mit Viktor. Jetzt wird erstmal der Tisch gedeckt und der Cognac kommt auf den Tisch! Es gibt drei Becher und zweimal können wir ablehnen, doch Igor bleibt hartnäckig und wir einigen und darauf...wir Mädels einen zu dritt und Igor und Viktor je einen. Blutwurst in Scheiben geschnitten, Fischhäppchen, Brot und Oliven... alles schmecken köstlich... und da alle guten Dinge, auch in Russland drei sind... trinken wir drei Cognacs. In Russland gibt es kein Anstoßen ohne Trinkspruch und so trinken wir auf deutsch-russische Freundschaft, auf eine gute Fahrt, auf Männer und Frauen, auf die Daheimgebliebenen etc. (irgendwas fällt uns immer ein) ...und verständigen uns wieder einmal mit Händen und Füßen, Skizzen, meinem Zeigewörterbuch und Handyicons.


Es stellt sich heraus das beide Arbeitskollegen sind, Schiffskapitäne auf Barkassen am Baikalsee und sie zeigen uns ihre Uniformen.... vllt sieht man sich ja wieder!?....übermorgen beginnt ihre Schicht. - Müde fallen wir dann irgendwann in den Nachmittagsschlaf und als wir wach werden, ist die Uhr schon wieder eine Stunde vorzustellen, mittlerweile 20.20h (MESZ 13.20h) und wir erreichen gleich Taischet. Auch Igor last es sich nicht nehmen meine Tasche zum Bahnsteig zu tragen.... alles russische Gentlemen!!! ..-und dann steht da auch schon Alexeij und nimmt uns in Empfang. Nach kurzer Begrüßung (er spricht sehr gut deutsch) fragt er: "...wollt ihr über die Gleisbrücke oder wollt ihr lieber 2 Minuten warten und über die Schienen..." wir schauen uns fragend an und entscheiden uns für die 2. Variante...

Schienenüberquerung auf russisch


Jennisejski "Vater der sibirischen Städte"

Freitag, 2. August 2013

Die ungeplante Nacht auf den Holzbetten mit Pseudomatrazen ist äußerst unbequem, aber der malerische Sonnenaufgang, mit dem aufsteigenden Nebel, läßt alles vergessen!!! Wir durchfahren nun die Stromschnellen ... ein Traum!!! ... strahlender Sonnenschein... phantastische, endlose, unberührte malerische Landschaft. Es verspricht ein unbeschreiblich schöner Tag zu werden- ich bin froh, dass ich hier bin.
Auch die restlichen 7 Stunden Schiffsfahrt sind ein Genuß. Kilometerlang passieren wir Holzfabriken - von hier aus werden unzählige Baumstämme des Nadelwaldgürtels der Taiga, in mächtigen Verbänden flussabwärts geflößt (auch für IKEA ist Birkenholz für "Billi & Co" dabei!).
Wir erreichen mit über 17 Stunden Verspätung um 16.30h Jenissejski und müssen uns beeilen. Trotzdem zeigt uns Tamara, sie hat uns vom Schiffsanleger abgeholt und bringt uns zum Busbahnhof, in einer halben Stunde die Highlights des klitzekleinen Ortes! Um 17h steigen wir dann in den Bus, der uns zurück nach Krasnojarsk bringt (denn morgen mittag geht es weiter mit der Transsib). Es sind über 6 Stunden Fahrt für knapp 300 km (da kann man sich vorstellen wie schlecht die Straßen hier sind). Schade... der Nebel hat uns um die Übernachtung in diesem schönen, schnuckeligen Örtchen gebracht....


Man beachte die Innenausstattung des Busses :))


... und immer wieder, freilaufende, Kühe auf den Straßen ...

Minikreuzfahrt auf dem Jenissej-Fluss


Donnerstag, 1. August 2013

(MESZ 23h) 5h aufstehen, 5.30h Frühstück, mit Taxi zum Hafen, um 7h soll unser Postschiff auf dem Jenissej ablegen. Wir wollen zu dem kleinen Städtchen Jenissejsk "Vater der sibirischen Städte", 15 Stunden nördlich gelegen, Richtung Eismeer, aber... dichter Nebel... nichts geht... Wir machen es uns in unserer 3.Klasse-Kabine gemütlich; auf Holzbänken:-(... Diesmal haben wir eine Chinesin als '4. Mann', die sehr nett ist, aber auch kein Wort En/De spricht.
Wir sind auf Wasserspiegelhöhe... sehen nichts als Nebel... wir erfahren, dass wir durch Stromschnellen müssen, und mit Nebel ist das Duchfahren zu gefährlich. Ob wir überhaupt ablegen ist fraglich und es soll bis 15h entschieden werden. Mit 4 1/2 Std Verspätung laufen wir dann doch, gegen Mittag, mit lauter Marschmusik aus dem Hafen.
Laut Prospekt wird die Minikreuzfahrt ein phantastisches Erlebnis- eine Schifffahrt durch die schönen Kasatschinsky-Stromschnellen, vorbei an malerischen Hängen zu beiden Flussseiten und durch weitgehend unberührte Natur ... schau'n wir mal... noch kein Land in Sicht... jetzt gehen wir erstmal in die Speiselounge - russischen Sekt trinken!
Dann doch, ganz plötzlich klärt es auf, und wir können die wunderschöne unberührte Landschaft stundenlang an Deck genießen. Wir hören kaum Geräusche, denn es sind sehr wenige, so scheint es uns jedenfalls, Passagiere an Board (und überhaupt keine Touristen!). Absolut leise bahnt sich das Postschiff seinen Weg durch das spiegelglatte Wasser.


Zu später Stunde (denn bis ca. 23.30h ist es noch hell) wollen wir noch ein Sundowner-Bier trinken und setzten uns a Deck- doch da kommt auch schon der "Steward" und redet wild gestikulierend auf uns ein... was will er denn?.... dann kommt "no bottles"... und er zeigt auf unsere Flaschen und auf eine Plastiktüte ... er gibt uns zu verstehen, dass wir unsere Flaschen so einzupacken hätten, dass man sie nicht sieht???... ok ... andere Länder andere Sitten. Wir holen Papiertücher, das Einzige was wir finden können, denn wir können kein Tüten auftreiben, und umwickeln die Flaschen gesckickt damit:-) ........ Nastrowje!!!
So langsam stellt sich auch tiefe Entspannung ein (das Einzige was mich im Moment beschäftigt...schlag ich das rechte Bein über das Linke oder umgekehrt:-)))) ...) und wir genießen bewußt das Gefühle von Freiheit... wir fangen an zu philosophieren und stellen uns die Frage:" ... ist Müßiggang der Anfang aller Laster?"...
Plötzlich wieder STOPP- Nebel. Es geht nichts mehr... es  wird dunkel... wir gehen vor Anker mitten auf dem Jenissej... gute Nacht!



Unverhofft kommt oft ... Übernachtung auf dem Jenissej-Fluss


Fotos, Fotos .....              Sonnenaufgang im Nebel


    .                                     Kilometerlange Holzfabriken in Sibirien

...und nochmal Fotos...



                                                   Antikes Interieur im Postschiff ... aus den 50er Jahren
                                                   Aufzug ...made in Germany ...alles funktionstüchtig 

Krasnojarsk auf eigene Faust

Dienstag, 30. August 2013

Wir besichtigen Krasnojarsk auf eigene Faust und beobachten auf dem Platz vor dem Hotel Krasnojarsk und am nahegelegenen Jenissejufer herrliches Sommerleben mit Jahrmarkt, Straßencafés, Grillrestaurants, Musik und Tanz. Uns reizt das Riesenrad und mich dann noch das Tramboline...




Mittwoch, 1. August 2013

Wir entscheiden uns für einen Ausflug in den Stolby Nationalpark und für eine Wanderung durch den Park, ca 16 km. Es geht über 8 km steil bergauf. Seinen Namen "Stolby", russisch für Pfähle, bekam der Park wegen seiner rötlichen, z. T. bizarren Granitfelsen, die wie Pfähle bis zu 100 Meter in die Höhe ragen. Einige von ihnen haben Namen wie Schwein, Kröte, Mönch, Großvater etc. und sind beliebt bei Kletterfreaks.

Stolby Nationalpark
Anstelle von Granitfelsenklettern ruh ich mich lieber am "Schwein" aus...
Unten rechts ein sibirisches Streifenhörnchen- sie sind nicht menschenscheu und häufig im Nationslpark anzutreffen.




Krasnojarsk am Jenissejfluss

Montag, 29. August 2013

Ankunft in Krasnojarsk 1.30h (MESZ 20.30h). Viktor holt uns vom Bahnhof ab und bringt uns zu unserer Privatunterkunft. Wir fühlen uns gleich Wohl bei Olga... endlich auch ein Badezimmer, für uns Drei alleine!!!.... wir duschen und fallen müde ins Bett bzw mache ich es mir gemütlich auf der Ausziehcoach.
Krasnojarsk ist eine sehr schöne, knapp 1 Mill. Stadt und liegt an beiden Ufern des Jenissej-Flusses. Die 1899 erbaute Eisenbahnbrücke ist ein Meisterwerk (sie ist auf dem 10-Rubelschein abgebildet). Sie bekam bei der Pariser Weltausstellung 1900 eine Goldmedaille, eine Auszeichnung, die auch der Eiffelturm erhielt.
In Krasnojarsk wurde 1988 Helene Fischer geboren. Ihre Eltern waren Wolgadeutsche die 1941 nach Sibirien deportiert wurden. Im Alter von 4 Jahren siedelte sie mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester nach Deutschland aus.

Krasnojarsk


Wieder nette Begegnungen im Zug

Im Zug wieder nette Begegnungen: Wir lernen Wladi und Micha kennen. Wladi ein russischer Familienvater auf der Fahrt nach Taischet zu seine Familie. Er ist unser 4. Mann im Abteil. Dann ist da noch Micha ein 13-jähriger, russisch-armenischer Junge, der mit seiner Schwester und seiner Mutter auf dem Nachhauseweg nach Ulan Bator ist (sie haben das Abteil neben uns). Es sind wieder lustige Unterhaltungen und der kleine Micha, ein pfiffiger und sympathischer Junge, (ich habe ihn gleich ins Herz geschlossen) lehrt uns stundenlang russisch... Alles trifft sich bei uns im Abteil und wir haben viel Spaß.
Wladi spricht gebrochen Deutsch und Englisch - für ihn sind wir die drei verrückten deutschen Frauen... weil wir die Welt bereisen wollen... Wir legen uns noch kurz schlafen... da wir um 01.30h in Krasnojarsk ankommen .. bis plötzlich der Schaffner unser Abteil stürmt und ganz hektisch 'six minutes' ruft... und uns fast die Bettlaken unterm Hinten wegzieht. Wir springen aus den Betten,und schaffen es, innerhalb von 5 Minuten startklar zu sein! Und dann... nichts passiert... kein Bahnhof in Sicht... Wladi steht mit auf und fragt den Schaffner was los ist. Es stellt sich heraus, dass es ein Missverständnis war... er meinte 'sechsunddreißig Minuten' und meinte sein English sei nicht so gut. Wir warten - müde und schmollend - auf der Bettkante. Dann hält der Zug, Wladi packt sich im Hand umdrehen Judiths und meinen Rucksacktrolleys. Wir dachten, er trägt sie nur aus dem Zug raus... nein... er ruft "dawei, dawei" und im Schweinsgalopp bewegt er sich Richtung Ausgang... immer wieder Trepp rauf ...Trepp runter, bis wir, nach ca 5 Minuten, endlich am Bahnhofsausgang angelangt sind... wir können es kaum fassen. Nassgeschwitzt verabschiedet es sich fix von uns.. und sprintet davon... denn sein Zug fährt ja gleich wieder los... und dann ist er auch schon wieder verschwunden. Wir können es kaum fassen... unglaublich.
Wir stellen uns die Frage... würde ein deutscher Mann so etwas auch machen???

Micha aus Ulan-Bator


Großraumwagon - authentisches Reisen?


Sonntag, 28. August 2013

Fast 6-stündige Fahrt mit dem öffentlichen Bus von Kurota zurück nach Biisk (über Ongodai und Gorno-Altai) und dann mit dem Zug zurück nach Nowosibirsk und von dort 21h Abfahrt (MESZ 19h, Ortszeit 0.00h)

Gorno Altai


Diesmal fahren wir wieder im Großraumwagon (ca. 50 Pers.), das zweite und letzte Mal. Dann reicht es uns aber auch! Entgegen der Annahme, das diese Art Zug zu fahren besonders authentisch und kommunikativ sein soll, machen wir die Erfahrung, dass sich die Reisenden eher zurückziehen um noch ein kleines bißchen Privatspähre zu erhalten... und genau so ist es bei uns... wir sind froh wenn die Nacht vorbei ist. Zudem habe ich bis Mitternacht einen Russen auf meiner Bettkante am Fußende sitzen, der trotz Aufforderung meinerseits, keine Anstalten macht hochzuklettern. Eigentlich müsste er dies tun, denn über mir ist sein Bett... oben ist es natürlich noch viel heißer... aber was kann ich denn dafür?! Schei... egal, denk ich mir irgendwann, Augenklappe auf, Ohrstöpsel rein, Laken über die Beine, roll mich ein und dreh mich zur Wand... brüllende Hitze, die Luft ist zum schneiden und laut ist es auch noch... irgendwann schlaf ich ein. Und als ich wach werde... na wer sitzt denn da wieder auf der Bettkante... wieder mein Nachbar von oben. Ich weiß seinen Namen nicht. Will ihn auch gar nicht wissen. Alles schläft noch. Er zeigt auf eine große Honiglache vor meinem Bett und gibt mir zu verstehen, dass dieses Glas von oben aus seinem Bett gefallen sei. Er macht keine Anstalten es aufzuwischen. Die Lache ist so dickflüssig das sie sich keinen Zentimeter verändert. Irgendwann als der "Zug erwacht" erhebt sich mein Nachbar von meiner Bettkante, geht weg und kommt auch nicht mehr wieder - obwohl wir noch 3Std zu fahren haben. Die Honiglache hat er mit einer Tüte zugedeckt. Zum Glück ist das Glas nicht zerbrochen.

Großraumwagon - "hot, sticky & stinky"